Pathologie - verständlich erklärt

Die Pathologie ist eine zentrale diagnostische Abteilung des Krankenhauses und eng in die Patientenversorgung eingebunden.
 
Sämtliche Gewebeproben, die bei endoskopischen Untersuchungen (z.B. einer Magenspiegelung) entnommen werden, sowie Proben von Punktionen beispielsweise der Brust, der Prostata oder der Leber, werden unter dem Mikroskop untersucht. Das gleiche gilt für jegliches Gewebe, das bei einer Operation entnommen wird – angefangen von kleinen Organen wie Blinddarm oder Mandeln bis hin zu großen Tumorresektaten. Die mikroskopische Untersuchung wird von Fachärztinnen und –ärzten für Pathologie durchgeführt. Die mikroskopischen Befunde und Diagnosen sind häufig die Grundlage für die weitere Therapie. Insbesondere bei einer bösartigen Erkrankung (Krebs) muss die Diagnose histopathologisch gesichert sein, bevor weitere Maßnahmen wie eine Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie eingeleitet werden.
 
Die Idee, eine Krankheit unter dem Mikroskop anhand des Aussehens der Zellen zu diagnostizieren, wurde vor über hundert Jahren entwickelt. Die grundlegenden Prinzipien haben sich seitdem kaum verändert. Die Gewebeproben werden zunächst in eine Lösung mit Formaldehyd und Wasser gegeben, wodurch sie haltbar gemacht werden. Nach weiteren, teilweise automatisierten Schritten (Entwässern, Einbetten in Paraffin) können dünne Gewebeschnitte mit der Dicke eines tausendstel Millimeters angefertigt werden, die sich für eine mikroskopische Betrachtung eigenen. Diese Schnitte werden gefärbt, in der Regel mit einer Standardfärbung namens HE. Mit zahlreichen spezielleren Färbetechniken können aber noch weitere Informationen aus der Gewebeprobe gewonnen werden. Hierzu zählen die etwas älteren histochemischen und die seit etwa 15 Jahren routinemäßig angewandten immunhistologischen Färbemethoden und die in-situ-Hybridisierung. Alle diese Untersuchungen werden auch in unserem Institut regelmäßig durchgeführt. Mit diesen Zusatztechniken ist es möglich, genauere Diagnosen zu stellen. Ein immer wichtiger werdender Aspekt ist das Erkennen bestimmter Tumormerkmale, die eine Aussage über die Prognose einer Erkrankung zulassen. Bei einigen Tumoren ist es bereits möglich vorauszusagen, ob die Erkrankung auf eine bestimmte Therapie ansprechen wird. Basierend auf diesen speziellen histopathologischen Befunden kann beispielsweise entschieden werden, ob eine Chemotherapie sinnvoll ist oder ob man besser auf sie verzichtet, da sie ohnehin unwirksam wäre und nur Nebenwirkungen hervorrufen würde.
 
Von großer Bedeutung für den modernen Klinikbetrieb ist die Geschwindigkeit der Gewebeuntersuchungen. Die oben beschriebene Standardprozedur benötigt etwa einen Werktag. Zurzeit werden bei steigender Tendenz jährlich von über 26.000 Patientinnen und Patienten über 150.000 diagnostische Einzeluntersuchungen inklusive diverser Spezialuntersuchungen an den übersandten Gewebeproben durchgeführt. Alternativ besteht die Möglichkeit einer so genannten Schnellschnittuntersuchung. Die zeitaufwändigen Arbeitsschritte der Fixation und Entwässerung werden dabei ausgelassen und das Gewebe durch Schockgefrieren schneidbar gemacht. So ist es möglich, eine Diagnose innerhalb von 30 Minuten zu stellen. Die Diagnose ist dann allerdings wesentlich gröber, und es besteht keine Möglichkeit von Spezialfärbungen. Sinnvoll ist diese Technik daher bei einer laufenden Operation, während der schnell eine Entscheidung getroffen werden muss. So kann z.B. ein Lymphknoten untersucht werden und bei Nachweis einer Tumormetastase entschieden werden, ob die Operation erweitert werden muss oder verkürzt werden kann.
 
Obwohl heute in den Hintergrund der täglichen Arbeit gerückt, besteht eine weitere Aufgabe des Pathologie in der Obduktion verstorbener Patienten. An unserem Institut werden jährlich etwa 60 innere Leichenschauen durchgeführt. Die Obduktion ist ein wichtiger Bestandteil der Kontrolle, kann doch sie erst endgültige und sichere Hinweise zur Todesursache, zu weiteren und möglicherweise zu Lebzeiten des Patienten nicht bekannten zusätzlichen Krankheiten und zu Therapiefolgen aufzeigen. Auch zur Feststellung einer möglichen berufsbedingten Organschädigung und damit zur Sicherung etwaiger damit verbundener Rentenansprüche ist eine Obduktion unerlässlich.

Geschichte des Instituts

Die Pathologie wurde 1945 in dem kleinen und sehr schönen Schinkelbau, der alten Trauerkapelle für die Verstorbenen des Klinikums, eingerichtet. Erster Chefarzt wurde Prof. Max Brandt, 1890 in Kronstadt geboren und 1972 mit 82 Jahren in Berlin verstorben. Der vorher an der Universität von Riga als Schüler von Prof. Roman Adelheim Tätige war von 1940 bis 1945 Ordinarius für Pathologie an der Universität von Posen, bis ihn die Kriegsereignisse nach Potsdam verschlugen. Prof. Brandt nahm dankbar die Chance wahr, wieder, wenn auch unter sehr widrigen Bedingungen, in seinem Fach tätig sein zu können.

Als er sich im Jahre 1948 entschloss, einem Ruf als Chefarzt an das Institut für Pathologie am Berliner Krankenhaus Moabit zu folgen, konnte man den 1889 geborenen Richard Richter, vorher u.a. in Dresden tätig, als Nachfolger gewinnen. Med. Rat Richter führte von 1948 an dieses Institut, oder besser gesagt, Institutsprovisorium, und ging 1965 mit 76 Jahren in den sicher wohlverdienten Ruhestand. Er verstarb im Jahre 1969 mit 80 Jahren in Potsdam.

Anfang der 1960er Jahre reifte bei den zuständigen Behörden allmählich die Erkenntnis, dass das inzwischen im Range eines Bezirkskrankenhauses etablierte Potsdamer Krankenhaus auch ein adäquates Institut für Pathologie benötigte. Eine sicherlich bedeutende Rolle bei der Durchsetzung dieser Pläne spielte der damalige Ärztliche Direktor und Chefarzt der chirurgischen Klinik, Prof. Dr. Hasslinger, der, selbst in jungen Jahren mehrere Jahre als Assistent der Pathologie an der Universität Würzburg unter Prof. M.B. Schmidt tätig, die Bedeutung der Pathologie für ein solches Krankenhaus aus eigenem Erleben zu schätzen und zu würdigen wusste.

1963/64 begann die Projektierung eines Institutsneubaus, und als Ende 1963 die Stelle des Chefarztes der Pathologie neu ausgeschrieben wurde, bewarb sich der damalige Dozent für Pathologie an der Universität Rostock, Dr. Otto Münch. Otto Münch war maßgeblich an der konkreten Planung und am Aufbau dieses Instituts beteiligt, das nach einigem Hin und Her – 1966 wurde es sogar vollständig von der Bauliste des Bezirkes Potsdam gestrichen – schließlich im Januar 1971 in Betrieb genommen werden konnte.
Dieses Institut war seinerzeit wohl das größte und modernste Krankenhausinstitut für Pathologie im Bereich des staatlichen Gesundheitswesens der DDR. Die Leistungen des Institutes nahmen schnell an Umfang zu. In den 80er Jahren wurden jährlich bis zu 1.800 Obduktionen und ca. 10.000 histologisch-diagnostische Untersuchungen durchgeführt, daneben kam aber auch die wissenschaftliche Tätigkeit nicht zu kurz. Prof. Münch war zeitweise der 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Pathologie der DDR sowie deren Schriftführer.

Diese Entwicklung setzte sich auch nach dem altersbedingten Ausscheiden von Prof. Münch im Jahre 1986 kontinuierlich fort. Ein 1-jähriges Interregnum wurde vom damaligen Oberarzt Dr. Paasch souverän gemeistert.

Im Jahre 1988 wurde Prof. Dr. Jochen Kunz zum neuen Chefarzt des Institutes berufen und hat dies bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 1997 sehr erfolgreich weitergeführt. Insbesondere in den Jahren nach der sog. Wende wurde die apparative Ausstattung des Instituts grundlegend modernisiert und den Erfordernissen der Zeit angepasst. Die Anzahl durchgeführter Obduktionen sank zwar, wie überall in Deutschland, erheblich ab, dafür kam es aber zu einem bedeutenden Anstieg der Zahl histologisch-zytologischer diagnostischer Leistungen, entsprechend der gewandelten Rolle der Pathologie weltweit.

Prof. Dr. Hartmut Lobeck wurde im September 1997 als Chefarzt des Instituts für Pathologie des Klinikum Ernst von Bergmanns berufen. Nach dem Medizinstudium an der Universität Leipzig kam er 1979 an die Freie Universität Berlin und hat im Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Charlottenburg seine Ausbildung weitergeführt und sich neben der Routinepathologie schwerpunktmäßig mit Leber-, Nieren-, Immun- und Transplantationspathologie beschäftigt. Als Oberarzt leitete er viele Jahre zusätzlich das Labor für Immunpathologie. Nach der Habilitation erfolgte die Berufung auf eine Professur für Immun- und Transplantationspathologie an der Freien Universität Berlin. Seine wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte liegen ebenfalls überwiegend in diesem Bereich. Wir verdanken seinem unermüdlichen Wirken die Sanierung und Modernisierung des Instituts für Pathologie im Jahre 2005. Seinem ungebrochenen Engagement verdanken wir ein zeitgemäßes, mit modernen Geräten ausgestattetes Institut.
Seit 2008 besteht am Institut zusätzlich eine Gemeinschaftspraxis für Pathologie, die Prof. Lobeck bzw. in seiner Nachfolge seit dem 01.01.2015 PD Lars Morawietz gemeinsam mit Frau Dr. Kirschke betreibt.
Prof. Lobeck engagiert sich neben seinen o.g. Tätigkeiten zusätzlich und ehrenamtlich und in Zusammenarbeit mit mehreren Hilfsorganisationen beim Aufbau einer diagnostischen Histopathologie in und für das kleine afrikanische Land Eritrea und reist in dieser Funktion mehrmals im Jahr in dieses Land, um dort den Aufbau eines Histopathologie-Labors zu betreuen und auch selbst als Pathologe diagnostische Arbeit vor Ort zu leisten.

Prof. Lobeck trat zum 30. September 2013 aus Altersgründen von der Funktion als leitender Chefarzt des Instituts zurück und hat diese Funktion an seinen Nachfolger, Herrn PD Dr. Morawietz übergeben. Der gebürtige Ostwestfale hat sein Medizinstudium an den Universitäten in Gießen und Berlin absolviert, über ein Thema in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde promoviert und zunächst für ein Jahr in der Dermatologie gearbeitet. Anschließend hat er die Facharztausbildung zum Pathologen an der Charité abgeschlossen, wo er auch im Jahr 2010 auf dem Gebiet der chronischen Gelenkentzündungen habilitierte. Anschließend war er für zwei Jahre als leitender Oberarzt am Klinikum Stuttgart tätig, bevor er die Möglichkeit wahrnahm, die Leitung des hiesigen Instituts zu übernehmen. Der Erhalt des hohen Qualitätsstandards, die Gewinnung weiterer Einsender und die Fortführung der Modernisierungsmaßnahmen sind die wesentlichen Ziele seiner Arbeit.